Marktcheck · Eigene Erhebung

Marktcheck Stellenanzeigen MV: 76 Prozent nennen kein Gehalt

Wir haben 150 Stellenanzeigen mit Arbeitsort in Mecklenburg-Vorpommern nach denselben Kriterien ausgewertet. Hier sind die Zahlen, die Methode und die Grenzen der Erhebung.

Von Stefan NabelErhoben am 19.08.2026Stichprobe: 150 Anzeigen

In 114 von 150 untersuchten Stellenanzeigen aus Mecklenburg-Vorpommern fehlt eine verwertbare Gehaltsangabe. Das sind 76 Prozent (±7). Als verwertbar zählte eine Spanne, ein Festbetrag oder ein namentlich genannter Tarifvertrag. Formulierungen wie „attraktive Vergütung" oder „leistungsgerechte Bezahlung" zählten nicht, weil sie einem Bewerber keine Entscheidungsgrundlage geben. Die Unterschiede zwischen den Berufsgruppen sind groß: In der Küche fehlt die Angabe in 95 Prozent der Anzeigen, in der Pflege nur in 53 Prozent.

114 von 150
Stellenanzeigen mit Arbeitsort in Mecklenburg-Vorpommern nennen kein verwertbares Gehalt.
Eigene Erhebung, gezogen am 19.08.2026 aus der Jobsuche der Bundesagentur für Arbeit · Vertrauensbereich ±7 Prozentpunkte

Gehaltsangabe in MV-Stellenanzeigen nach Berufsgruppe

Gezogen wurde in vier Berufsgruppen mit je 37 oder 38 Anzeigen. Die Spannweite zwischen Küche und Pflege ist deutlich größer als der Vertrauensbereich der einzelnen Gruppen, der Unterschied ist also nicht auf Zufall zurückzuführen.

Berufsgruppeohne GehaltsangabeAnteil
Küche35 von 3795 % ±7
Berufskraftfahrer30 von 3781 % ±13
Elektroberufe29 von 3876 % ±14
Pflege20 von 3853 % ±16
Alle vier Gruppen114 von 15076 % ±7

Der Ausreißer nach oben erklärt sich über die Tarifbindung. In der Pflege nennen 13 der 38 Anzeigen einen konkreten Tarifvertrag, in den Elektroberufen 6, bei den Berufskraftfahrern 3. In der Küche keine einzige. Wo kein Tarif greift, verschwindet die Gehaltsangabe fast vollständig.

Wie die Gehaltsangabe in den Anzeigen konkret aussieht

Art der AngabeAnzeigen
Keine Angabe zum Gehalt111
Konkreter Tarifvertrag benannt22
Festbetrag7
Gehaltsspanne7
„nach Vereinbarung"3

Nur 14 von 150 Anzeigen nennen eine Zahl, also eine Spanne oder einen Festbetrag. Rechnet man die konkreten Tarifverweise hinzu, bei denen sich das Gehalt über die Entgeltgruppe nachschlagen lässt, sind es 36 von 150.

Was in dieser Erhebung nicht als Gehaltsangabe zählte

Bewerbungsweg und Ansprechpartner in MV-Stellenanzeigen

Neben dem Gehalt wurden zwei weitere Punkte erfasst, die darüber entscheiden, wie leicht eine Bewerbung fällt.

MerkmalAnzeigenAnteil
Kein Bewerbungsweg im Anzeigentext sichtbar55 von 15037 % ±8
Ansprechpartner namentlich genannt52 von 15035 % ±8
Betrieb ohne eigene Karriereseite31 von 15021 % ±6

Bei den 55 Anzeigen ohne sichtbaren Bewerbungsweg steht im Text kein Kanal. Wer sich bewerben will, muss die Kontaktdaten erst über eine Sicherheitsabfrage im Portal der Bundesagentur freischalten oder selbst nach dem Betrieb suchen. Für jemanden, der abends am Handy zehn Minuten Zeit hat, ist das eine echte Hürde.

Was der Marktcheck ausdrücklich nicht belegt

Wir sind mit der Arbeitsthese gestartet, dass viele Betriebe Anzeigen schalten, die auf der eigenen Website gar nicht auftauchen. Eine erste automatisierte Messung schien das zu bestätigen. Die manuelle Nachprüfung im Browser hat die These widerlegt.

Von den 109 Fällen, in denen sich die Frage beantworten ließ, war die inserierte Stelle in 94 Fällen auf der eigenen Karriereseite gelistet, also in 86 Prozent (±6). Die erste Messung hatte das Gegenteil nahegelegt, weil die eingesetzten Werkzeuge Stellenlisten nicht sehen können, die per JavaScript nachladen oder in eingebettete Bewerberportale von Drittanbietern ausgelagert sind. In 42 nachgeprüften Fällen kippte das Ergebnis.

Wir schreiben das hierhin, weil eine falsche Zahl auch dann falsch bleibt, wenn sie die bessere Geschichte ergeben hätte. Was von diesem Punkt bleibt, ist die andere Zahl: 21 Prozent der Betriebe haben überhaupt keine eigene Karriereseite. In 10 Fällen ließ sich die Frage technisch nicht klären, sie sind in der Auswertung als ungeklärt geführt und keiner Seite zugeschlagen.

Methode des Marktchecks

Grundgesamtheit
Stellenanzeigen mit Arbeitsort in Mecklenburg-Vorpommern, Angebotsart Arbeit, in der Jobsuche der Bundesagentur für Arbeit. Zeitarbeit und Personalvermittlung waren auf Ebene der Abfrage ausgeschlossen. Maßgeblich war der Arbeitsort, nicht der Firmensitz.
Ziehung
Vier Berufsgruppen über die Suchbegriffe Elektroniker, Pflegefachkraft, Koch und Berufskraftfahrer. Trefferliste sortiert nach Veröffentlichungsdatum, gezogen wurde jeder fünfte Rang, höchstens eine Anzeige je Betrieb. Bei Dublette rückte der nächste Rang nach. Kein Aussortieren nach Eindruck.
Stichprobe
150 Anzeigen: Elektroberufe 38, Pflege 38, Küche 37, Berufskraftfahrer 37. Erhebungstag 19.08.2026. Die Anzeigen wurden zwischen dem 31.03.2026 und dem 18.08.2026 erstveröffentlicht. 121 lagen direkt bei der Bundesagentur, 29 auf angeschlossenen Stellenbörsen.
Bewertungsgrundlage
Gewertet wurde ausschließlich der Anzeigentext. Das Strukturfeld zur Vergütung aus der Schnittstelle der Bundesagentur blieb unberücksichtigt, weil es unzuverlässig ist: Anzeigen mit konkreter Tarifnennung im Text sind dort teilweise als „keine Angaben" hinterlegt.
Vertrauensbereich
Angegeben als 95-Prozent-Intervall, gerundet auf volle Prozentpunkte. Bei 150 Anzeigen und einem Anteil um 50 Prozent liegt es bei ±8, bei extremen Anteilen enger. Deshalb ist die Küche mit 95 Prozent (±7) belastbarer als die Pflege mit 53 Prozent (±16).
Karriereseiten
Jede Aussage zu einer Karriereseite stützt sich auf eine tatsächlich abgerufene URL. Unsichere Befunde wurden in einem zweiten Durchgang im Browser nachgeprüft, der JavaScript ausführt. Fälle, die auch dann offenblieben, sind als ungeklärt ausgewiesen.
Was nicht getan wurde
Keine Testbewerbungen. Es wurde kein Betrieb kontaktiert, kein Formular abgeschickt und keine Sicherheitsabfrage umgangen. Erfasst wurde nur, was öffentlich sichtbar war.

Grenzen dieser Erhebung

Die Stichprobe umfasst 150 Anzeigen aus vier Berufsgruppen. Sie ist nicht repräsentativ für den gesamten Arbeitsmarkt in Mecklenburg-Vorpommern, sondern für diese vier Gruppen zum Erhebungszeitpunkt. Gezogen wurde nach Beruf und nicht nach Wirtschaftszweig, deshalb heißen die Gruppen hier Elektroberufe und nicht Handwerk: In der Gruppe stecken auch Industrie, Bahn und öffentliche Arbeitgeber.

Anzeigen, die ein Betrieb ausschließlich auf der eigenen Website oder in sozialen Netzwerken veröffentlicht, kommen in dieser Grundgesamtheit nicht vor. Die Erhebung sagt also etwas über Anzeigen bei der Bundesagentur aus, nicht über jede Stellenausschreibung in MV.

Die Abgrenzung zwischen „konkret genug" und „zu vage" ist bei Tarifverweisen eine Ermessensfrage. Wir haben benannte Tarifwerke akzeptiert und unbenannte Verweise wie „Vergütung nach Tarif" als fehlende Angabe gewertet. Wer anders abgrenzt, kommt auf leicht andere Werte.

Was Betriebe daraus mitnehmen können

Drei von vier Anzeigen nennen kein Gehalt. Wer eine Zahl nennt, hebt sich damit in seiner Region sofort ab, und zwar ohne einen Cent mehr zu zahlen. Dasselbe gilt für einen Ansprechpartner mit Namen und einen Bewerbungsweg, der im Anzeigentext steht statt hinter einer Abfrage. Warum Anzeigen ohne diese Grundlagen wenig bringen, steht im Beitrag Keine Bewerbungen auf die Stellenanzeige.

Der zweite Punkt ist grundsätzlicher: Auch eine gute Anzeige erreicht nur Menschen, die gerade suchen. Die große Mehrheit der Fachkräfte in MV sucht nicht aktiv, hat aber Wechselgedanken. Wie man diese Gruppe erreicht, beschreibt der Leitfaden: Mitarbeiter finden in MV.

Häufige Fragen zum Marktcheck der Stellenanzeigen in MV

Wie viele Stellenanzeigen in Mecklenburg-Vorpommern nennen kein Gehalt?
In der Erhebung vom 19.08.2026 fehlt in 114 von 150 Stellenanzeigen mit Arbeitsort in Mecklenburg-Vorpommern eine verwertbare Gehaltsangabe. Das sind 76 Prozent (±7). Als verwertbar galt eine Spanne, ein Festbetrag oder ein namentlich genannter Tarifvertrag. Formulierungen wie „attraktive Vergütung" zählten nicht.
Welche Berufsgruppe nennt am häufigsten ein Gehalt?
Die Pflege. Dort fehlt die Angabe in 20 von 38 Anzeigen, also 53 Prozent. Der Grund ist die verbreitete Tarifbindung, 13 der 38 Pflegeanzeigen nennen einen konkreten Tarifvertrag. Am anderen Ende steht die Küche mit 35 von 37 Anzeigen ohne Gehaltsangabe und keiner einzigen Tarifnennung.
Wie wurde die Stichprobe gezogen?
Über die Jobsuche der Bundesagentur für Arbeit, gefiltert auf Arbeitsort Mecklenburg-Vorpommern und Angebotsart Arbeit, sortiert nach Veröffentlichungsdatum. Zeitarbeit und Personalvermittlung waren ausgeschlossen. Gezogen wurde jeder fünfte Treffer, höchstens eine Anzeige je Betrieb. Vier Berufsgruppen zu je 37 oder 38 Anzeigen ergeben zusammen 150.
Haben die Betriebe ihre Anzeigen auch auf der eigenen Website?
Überwiegend ja. 21 Prozent der Betriebe haben überhaupt keine eigene Karriereseite. Von den 109 Fällen, in denen sich das prüfen ließ, war die Stelle in 94 Fällen auf der eigenen Karriereseite gelistet, also in 86 Prozent. Eine erste automatisierte Messung hatte ein anderes Bild ergeben und wurde nach manueller Nachprüfung verworfen.
Werden im Marktcheck einzelne Betriebe genannt?
Nein. Veröffentlicht werden ausschließlich aggregierte Werte. Es gibt keine Firmennamen, keine Zitate aus Anzeigentexten und keine Screenshots. Die Betriebe in der Stichprobe wurden nicht kontaktiert, es wurden keine Testbewerbungen verschickt.
Wird der Marktcheck wiederholt?
Ja, geplant ist eine Wiederholung nach derselben Methode, damit sich Veränderungen über die Zeit ablesen lassen. Das Prüfdatum oben auf dieser Seite gibt an, wann zuletzt tatsächlich erhoben wurde.
Stefan Nabel
Erhebung und Auswertung
Stefan Nabel

Gründer von Innowist in Stralsund, aufgewachsen in Greifswald. Seit 2020 unterstützt er Betriebe in MV bei der Mitarbeitergewinnung, mit über 300 betreuten Unternehmen und mehr als 16.000 generierten Bewerbungen. BAFA-registrierter Berater.

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