Ratgeber

Rückkehrer und Pendler gewinnen: So holen Betriebe Fachkräfte zurück nach MV

Die stärkste unentdeckte Fachkräftequelle für MV-Betriebe sind Menschen, die längst hierher gehören: Pendler, Weggezogene und Urlauber mit Ostsee-Sehnsucht.

Von Stefan NabelStand: August 2026Lesezeit: ca. 7 Minuten

Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern gewinnen Rückkehrer und Pendler, indem sie dort sichtbar werden, wo diese Menschen leben: auf Social Media, in Hamburg, Berlin und auf den Pendlerstrecken. Die Zielgruppe ist groß. Allein aus Westmecklenburg pendeln nach Angaben der Stadt Schwerin über 40.000 Menschen täglich in andere Bundesländer, dazu kommen Zehntausende Weggezogene, die mit der Rückkehr liebäugeln. Entscheidend sind drei Dinge: eine Botschaft, die Heimat und Lebensqualität statt nur Gehalt anspricht, der richtige Zeitpunkt (Weihnachten, Sommerurlaub, Familiengründung) und ein ehrlicher Einblick in den Betrieb, am besten per Video.

Warum Rückkehrer die unterschätzte Fachkräftequelle sind

Wenn in MV über Fachkräftemangel gesprochen wird, geht es meist um die Menschen, die fehlen. Seltener geht es um die, die eigentlich da wären: ausgebildete Fachkräfte aus MV, die nach Schule oder Ausbildung weggezogen sind, weil damals die Perspektive fehlte. Dazu die Pendler, die zwar hier wohnen, aber ihre Arbeitskraft jeden Tag nach Hamburg, Lübeck oder in die Montage tragen.

Diese Menschen haben etwas, das kein anderer Bewerber mitbringt: eine echte Bindung an die Region. Sie kennen die Winter, die Dörfer und die Mentalität. Wer zurückkommt, kommt, um zu bleiben. Für Betriebe heißt das weniger Fluktuation und Mitarbeiter, die nicht beim nächsten Angebot wieder verschwinden.

Das Land hat das erkannt: Initiativen wie mv4you, die Welcome Center und die Rückkehrertage arbeiten seit Jahren daran, Weggezogene zurückzuholen. Was dabei oft fehlt, ist die Verbindung zum konkreten Betrieb. Genau da setzen wir an.

Die drei Gruppen und was sie bewegt

Pendler: das Problem heißt Zeit

Der Pendler hat schon einen Job, oft gut bezahlt. Was ihm fehlt, ist Leben: Er verlässt das Haus im Dunkeln und kommt im Dunkeln zurück, oder er sieht die Familie nur am Wochenende. Die Ansprache muss deshalb nicht mit Gehalt argumentieren, sondern mit Zeit. „Abends zu Hause" ist für diese Gruppe das stärkste Versprechen, das ein Betrieb machen kann.

Rückkehrer: das Problem heißt Anlass

Der Weggezogene in Berlin oder München denkt längst über die Rückkehr nach. Was fehlt, ist der konkrete Anlass: eine Stelle, die zeigt, dass die Rückkehr fachlich kein Abstieg ist. Die Ansprache muss beweisen, dass es in MV moderne Betriebe mit echten Aufgaben gibt. Ein authentisches Recruiting-Video leistet hier mehr als jede Broschüre, siehe Recruiting-Video: Kosten und Nutzen.

Urlauber und Zugezogene: das Problem heißt Mut

Wer jedes Jahr an der Ostsee Urlaub macht und jedes Mal schwerer abreist, braucht vor allem eines: das Gefühl, dass der Schritt machbar ist. Hier zählen praktische Signale. Hilfe bei der Wohnungssuche, ein Probearbeiten-Wochenende, ein Betrieb, der sich um den Menschen kümmert und nicht nur um die Stelle.

Die richtigen Zeitpunkte für die Ansprache

So funktioniert die Ansprache konkret

  1. Zielgruppe definieren. Welcher Beruf, welche Region, welche Lebenssituation? „Elektriker aus Vorpommern, der in Hamburg arbeitet" ist eine Zielgruppe. „Fachkräfte" ist keine.
  2. Botschaft auf das Leben ausrichten. Nicht „Wir suchen Verstärkung", sondern: Schluss mit Montage, abends am Wasser, die Kinder wachsen bei den Großeltern auf. Ehrlich bleiben, nichts versprechen, was der Betrieb nicht hält.
  3. Mit Video Vertrauen aufbauen. Eine Lebensentscheidung trifft niemand auf Basis einer Textanzeige. Das Video zeigt Team, Halle und Alltag, bevor der erste Kontakt stattfindet.
  4. Regional targetieren. Kampagnen auf Facebook, Instagram und YouTube lassen sich auf Regionen und Interessen zuschneiden, auch auf Menschen außerhalb von MV mit Bezug zur Region. Details dazu im Beitrag Social Recruiting im Handwerk.
  5. Den Weg freiräumen. Bewerbung in zwei Minuten am Handy, schnelle Rückmeldung, bei Bedarf Unterstützung bei Wohnung und Kita. Rückkehr ist Umzug, und jede abgenommene Sorge erhöht die Zusagequote.

Was das für Ihren Betrieb bedeutet

Rückkehrer-Recruiting ist kein Sprint. Aber es erschließt einen Bewerbermarkt, auf dem fast keine Konkurrenz herrscht, denn die meisten Betriebe inserieren weiter nur lokal. Wer als erster Betrieb der Region sichtbar bei den Weggezogenen ist, hat einen Vorsprung, der sich mit Geld kaum aufholen lässt.

Wie die Bausteine zusammenspielen und was der Einstieg kostet, steht im Leitfaden: Mitarbeiter finden in MV. Für viele kleine und mittlere Betriebe ist die Zusammenarbeit mit uns übrigens bis zu 80 % staatlich förderfähig.

Häufige Fragen zu Rückkehrern und Pendlern in MV

Wie erreiche ich Fachkräfte, die gar nicht in MV wohnen?
Über Social-Media-Kampagnen mit gezieltem Targeting. Plattformen wie Facebook, Instagram und YouTube erlauben es, Menschen mit Bezug zu einer Region anzusprechen, auch wenn sie aktuell in Hamburg oder Berlin leben. Kombiniert mit einer Botschaft, die Heimat und Lebensqualität anspricht, entsteht Reichweite, die kein Jobportal bietet.
Wann ist der beste Zeitpunkt, Rückkehrer anzusprechen?
Wenn die Sehnsucht nach Zuhause am größten ist: rund um Weihnachten und den Jahreswechsel, wenn viele in der Heimat zu Besuch sind, nach dem Sommerurlaub an der Ostsee und bei Lebensumbrüchen wie Familiengründung. Nicht zufällig finden die Rückkehrertage in MV traditionell zwischen den Jahren statt.
Verdienen Fachkräfte in MV nicht deutlich weniger als im Westen?
Die Nominallöhne liegen oft niedriger, das stimmt. Fairerweise gehören in den Vergleich aber Lebenshaltungskosten, Mieten, Pendelkosten und Zeit. Wer vier Stunden pro Tag pendelt oder auf Montage lebt, bezahlt mit Lebenszeit. Viele Rückkehrer nehmen einen niedrigeren Bruttolohn bewusst in Kauf und haben am Monatsende trotzdem mehr vom Leben. Betriebe sollten diesen Gesamtvergleich aktiv aufmachen.
Was muss mein Betrieb Rückkehrern bieten?
Vor allem Verlässlichkeit und Ehrlichkeit. Rückkehrer treffen eine Lebensentscheidung, keine Jobentscheidung. Sie wollen vorher sehen, wo sie arbeiten werden, wer im Team ist und wie der Alltag aussieht. Ein echtes Video aus dem Betrieb, ein schnelles persönliches Gespräch und Hilfe bei praktischen Fragen wie Wohnungssuche oder Kita machen oft den Unterschied.
Stefan Nabel
Autor
Stefan Nabel

Gründer von Innowist in Stralsund, aufgewachsen in Greifswald. Seit 2020 unterstützt er Betriebe in MV bei der Mitarbeitergewinnung, mit über 300 betreuten Unternehmen und mehr als 16.000 generierten Bewerbungen. BAFA-registrierter Berater.

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